Wo die Welt der Geister auch sein mag, sie ist nicht dort, wo die Lebenden sind. Jedes Lebewesen hinterlässt im Diesseits nur seinen Körper, während Geist und/ oder Seele (wer weiß das schon so genau?) diese Welt verlassen. Im Normalfall. Wohin? Man nennt diesen Ort einfach mal Jenseits.
Doch dass dies nicht immer passiert, wird schon anhand der Unmengen an Geistergeschichten und Geistersichtungen deutlich, die es gibt, seit man sich darüber unterhalten kann. Sicherlich gehen einige Erlebnisse auf die Sichtung von Naturgeistern bzw. Elementaren zurück, aber diese sind keine Geister, sondern Magie. Und Magie gehört ins Diesseits.
Man nimmt an, dass Geister durch eine unerledigte Aufgabe oder eine starke, emotionale Bindung an einen Ort oder an eine Person zum Bleiben im Diesseits gezwungen sind. Oftmals sind sie auch unerwartet oder sehr grausam aus dem Leben gerissen worden.
Während es viele Geistergeschichten gibt und in den wissenden Kreisen ihre Existenz auch nicht bestritten wird, sind Geister dennoch kein alltägliches Phänomen und nicht jeder Mensch, der stirbt, hinterlässt seinen Geist im Diesseits. Geister treten gehäuft in urbanen Bereichen auf, weil die Dichte an Menschen einfach höher ist, aber dennoch findet man sie nicht an jeder Straßenecke.
So wie Geister nicht überall sind, so sind auch nicht alle Geister gleich und schwache Geister sind häufiger zu finden als starke Geister. Wobei sie auch öfter unentdeckt bleiben.
Geister leuchten nicht im Dunklen. Was man sehen kann, ist eine Kontur und grobe Details, als würde man das Foto der verstorbenen Person um 90% durchlässig machen, starke Geister vielleicht sogar noch besser. Man kann durch sie hindurchgreifen und eisige Kälte spüren. Ein starker, wütender Geist bringt eine spürbare Energie auf, mit der er Gegenstände bewegen, fliegen, aber auch jemanden umwerfen kann. Vielleicht genau das richtige Maß an Kraft, um jemanden von der Treppe zu schubsen? Wer weiß.
Schwache Geister
Rein von der Anzahl her sind schwache Geister häufiger im Diesseits anzutreffen als im Jenseits - und dennoch realisiert man sie seltener, weil sie ihre Umwelt nicht beeinflussen und nicht auf sich aufmerksam machen können. Es besteht die Vermutung, dass aus jedem starken Geist, der lang genug im Diesseits ist, irgendwann ein schwacher Geist wird. Schwache Geister sind ziellos und werden von keinem bestimmten Wunsch und einem starken Gefühl aus ihrem Leben getrieben. Sie haben vermutlich jede Erinnerung an ihr sterbliches Leben verloren und verlieren somit an Kraft. Bis sie allerdings völlig verschwinden, kann es Jahrhunderte dauern.
Starke Geister
Im Vergleich zu den schwachen Geistern sind einige Geister stark von einem persönlichen Ziel getrieben und suchen den Kontakt mit den Lebenden. Sie können auch für ganz normale Menschen sichtbar bzw. spürbar werden und die Umwelt beeinflussen, z.B. die Raumtemperatur beeinflussen, Geräusche erzeugen oder Gegenstände bewegen.
Diese Geister bewirken bei den Lebenden ein Gefühl von Angst, die sogar zu Panik und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen kann. Wenn man weiß, dass der Grund ihrer Anwesenheit eine starke emotionale Bindung oder belastende Erfahrung ist, so kann man davon ausgehen, dass sie nicht unbedingt friedlich sind. Manch einer würde sogar sagen, dass sie bösartiger Natur sind, denn es gibt Menschen, die durch Geister ihren Tod gefunden haben.
Starke Geister können sogar noch nach Jahrzehnten einen Ort heimsuchen und ihn beeinflussen, von einem einzelnen Zimmer bis hin zu einem ganzen Grundstück (max. Umkreis 500m). Es handelt sich immer um den Ort, an dem sie gestorben sind oder – in manchen Fällen – der Ort, wo sich ihr Körper oder Überreste davon befinden. Dies ist nur der Fall, wenn der Geist auf seinen bisher unentdeckten Körper aufmerksam machen will.
Sollte man als unbeteiligte Person (also jemand, der den Geist in seinen Lebzeiten nicht kannte und auch kein weiteres Interesse an der Aufklärung seines Todes oder einer ordentlichen Beerdigung hat) diese Überreste an sich nehmen, dann kann es vorkommen, dass der Geist ihr folgt. Manchmal ist seine emotionale Bindung auch mit einem Gegenstand möglich, der sich an den Überresten befand (Kette, Ring). Der Geist folgt also diesem. So kommen die Geschichten von „verfluchten“ Gegenständen zustande, denn nur in deren Gegenwart passieren merkwürdige Dinge.
Geister binden sich nicht an Personen und können diese nicht verfolgen, selbst wenn sie die Verursacher ihrer Umtriebigkeit sind.
Nekromanten & Geister
Nekromanten lernen in ihrem Grundstudium, wie man Geister zwingt, sichtbar zu werden. Dabei hat der Nekromant aber nur Einfluss auf Geister, die sich ohnehin im Diesseits befinden. Er kann nicht einfach einen x-beliebigen Geist beschwören, wenn sich dieser schon im Jenseits befindet. Er kann den Geist auch nicht zwingen, seinen Ort, in dem er erscheint, zu verlassen. Der Nekromant muss sich direkt dorthin bewegen, wo der Geist wirkt.
Das Ritual zur Sichtbarmachung des Geistes ist gleichzeitig auch ein Ritual, um den Geist „einzusperren“. Den Kreis aus dem ägyptischen Sand mit den Glyphen kann der Geist nicht verlassen und auch nichts mehr außerhalb des Kreises beeinflussen, sobald er erst einmal dort verankert ist. Starke und ruhelose Geister werden versuchen, das Ritual zu unterbinden und können dabei wirklich gefährlich werden, z.B. durch fliegende Gegenstände.
Ziel des Nekromanten ist es, Informationen vom Geist zu bekommen. So kann er ihn ins Jenseits schicken und von seiner zwanghaften Umtriebigkeit erlösen, zumindest dann, wenn er den Grund für seinen Aufenthalt herausfindet und ihn auch auflösen kann. Manchmal sind es Überreste des Körpers, die entdeckt werden, Gegenstände des Verstorbenen, die an eine andere Person weitergereicht werden oder Informationen, die vermittelt werden sollen.
Der Nekromant kann selbst entscheiden, ob er sich der Sache annimmt oder nicht. Er kann Geister auch nutzen, um selbst Informationen zu bekommen – falls er einen kommunikativen Geist findet, der weiß, was er tut und nicht alles sofort wieder vergisst.
Nekromanten können Geister außerdem auch an beliebige Gegenstände binden und sie gegen ihren Willen vom Ort ihres Todes/Körpers entfernen. Der Unwillen des Geistes ist oft spürbar; zwar kann er nicht mehr so stark wirken, als wäre er an seinem Ursprungsort, aber er kann dafür sorgen, dass man Angst beim Tragen des Gegenstands verspürt oder mit Geräuschen Menschen verjagen.
Andere Fähigkeiten der Nekromanten kann man in den Hintergründen zu den Alchemisten nachlesen.
Berühmte Geistererscheinungen in Edinburgh
Berühmte Geistererscheinungen in Edinburgh, die von diversen Menschen angeblich schon beobachtet wurden:
- Edinburgh Castle: der junge Dudelsackspieler, der einst verloren ging; der kopflose Trommler in den Verliesen
- Old Town: Bobby, der Geisterhund, den man angeblich nach wie vor bellen hört
- Gewölbe unter der Stadt (Edinburgh Vaults): „Abandoned Annie“, die verlassenen Annie, ein Mädchen, das nach Händen von Besuchern greift
- Greyfriars Kirkyard: Bloody MacKenzie, ein wohlhabender, aber grausamer Lord, der auf dem Friedhof spukt, seit ein Obdachloser seine Grabruhe störte